Saaletal-Marathon 2016

Wer über 2500 Kilometer zurücklegt, lässt sich auch nicht von einem Marathonlauf beeindrucken. Nicht mehr als nötig jedenfalls. Olli Ruokolainen und Teemu Rantala hatten ein paar Tage Zeit. Und dazu eine gehörige Portion Lust auf ein Laufabenteuer, was die beiden Finnen ins fränkische Weinland brachte. Und zwar von Oulu aus, mit 200 000 Einwohnern die nördlichste Großstadt der Europäischen Union. Mit dem Flieger waren die beiden Studenten nach Frankfurt am Main gekommen, hatten von dort aus ein Mietauto genommen. Mit seiner Zeit von knapp über vier Stunden war Olli Ruokolainen nicht ganz zufrieden. „Ich wollte unter vier Stunden bleiben. Aber die Strecke war hart. Wir haben uns natürlich auf diesen Wettkampf vorbereitet, aber bei uns ist es eher flach“, plauderte der 21-Jährige. Kumpel Teemu dagegen gehörte mit seiner Zeit von 3:21 Stunden zu den besten „Marathonis“, wurde Sechster.

Unerwartete Zugabe

Den Sieg bei der Premiere des Saalezeitung-Marathon holte sich Markus Kristan Siegler. Der Sportler vom Turnerbund Erlangen brauchte für die 42,195 Kilometer lange Strecke exakt 2:41:30 Stunden. Dass es die ersten drei Kilometer ordentlich bergauf ging, hatte den 35-Jährigen nicht groß gestört. „Den ersten Anstieg hätte ich sogar etwas schwieriger erwartet. Ich bin sehr gut angegangen und konnte meinen Plan umsetzen. Erst ab Kilometer 27, als es wieder stetig nach oben ging, wurden die Beine schwerer. Ich konnte allerdings relativ kontrolliert laufen, da ich hinter mir keinerlei Verfolger sah“, berichtet der Logistiker, der zu seinen größten Erfolgen Siege beim Fränkischen Schweiz-Marathon und Metropolmarathon zählt und im Vorjahr Bayerischer Marathon-Vizemeister wurde. Den Streckenrekord gab es in Ramsthal quasi als Zugabe. „Der ist einfach so passiert.“ Die bisherige Bestmarke, aufgestellt im Jahr 2010 von Kay Uwe Müller (TSG Heilbronn), hatte bei 02:42:54 Stunden gelegen. Nicht der einzige Grund, warum der Mittelfranke gerne wieder ins Saaletal kommen will. „Die Strecke fand ich landschaftlich sehr reizvoll mit den Hügeln, der Saale und kleinen süßen Trails.“ Die schnellste Frau auf der längsten Strecke dieser Veranstaltung war Christine Fischer. Die Leipzigerin war ebenfalls das erste Mal beim Saaletal-Marathon, genoss die familiäre Atmosphäre – und lobte den Service. „Dass ich einen Fahrrad-Begleiter hatte, fand ich richtig gut.“ Für die 32-Jährige war der hügelige Kurs zwar nicht einfach („Ich bin zu schnell angelaufen“), aber zugleich die erhofft gute Vorbereitung auf den Rennsteig-Supermarathon. Da wurde auch die lange Anfahrt aus dem Sächsischen in Kauf genommen, die so lang doch nicht war, „weil ich die Oma in Suhl besucht habe“.

Krampf auf der Ziellinie

Der Marathon steht aber nicht nur für strahlende Sieger. Nur wenige Zuschauer registrierten bei überschaubaren Plusgraden den Zieleinlauf der Leidenden. Zu denen gehörte Alex Geiger, der kurz vor der Ziellinie einen Krampf bekam. „Das war hart. Aber so muss das sein“, quälte sich der Ebenhäuser zu einem Lächeln. Von einer Zeit unter vier Stunden hatte der vielseitige Sportler, der auch schon geboxt hat, geträumt. Und war daher „sehr glücklich“ mit seinen 3:44 Stunden auf der Laufuhr. „Ich fahre eigentlich lieber Rad.“ Eine verblüffende Aussage vom Halbmarathon-Sieger. Der heißt Tobias Schneider, kommt ursprünglich aus Seubrigshausen und startet für die TG Kitzingen. Nur 77 Minuten hatte der 35-Jährige für die 21,4 Kilometer lange Strecke in und um Ramsthal gebraucht – und schwang sich nicht viel später für 100 Minuten aufs Fahrrad. „Ich muss fit werden für einige Events“, sagte Tobias Schneider lapidar. Den Marathon in Rom will der ehemalige Fußballer laufen, aber auch am Rhön-Radmarathon in Bimbach teilnehmen. Die Woche zuvor hatte Schneider beim Weinturmlauf in Bad Windsheim eine persönliche Halbmarathon-Bestzeit aufgestellt (1:15:16), „und wollte zeigen, dass ich es auch in Ramsthal besser kann nach meinen 1:24 Stunden und Platz zehn im Vorjahr.“ Zu den auffälligsten Laufsportlern gehörte die kleine Gruppe von der DJK LC Vorra. Die fünf Oberfranken waren mit ihren grellen hellroten Trikots ein echter Farbtupfer im ansonsten trüben Frühlingsgrau dieses Tages. Landschaftlich reizvoll, anspruchsvoll und gut organisiert fanden die drei Frauen und zwei Männer die Veranstaltung – zum Wiederkommen unbedingt zu empfehlen. Als größte Laufgruppe bekam das „GBR-Ingenieurteam“ aus Oberthulba eine kunstvoll geschnitzte Trophäe vom Veranstalter. „Das war ein gelungenes Experiment“, sagte „Boss“ Joachim Heinlein, der viele Freunde und Bekannte in sein Laufteam eingeladen hatte.

Stille Helden

Quasi durchs Programm führte Jürgen Kunkel, der ebenfalls einen Preis verdient hätte ob seiner Ausdauer und temperamentvollen Moderation. Ob der Nachwuchs beim Mini-Marathon, ob Hobby-Läufer oder Siegertyp, der Mann am Mikro hatte für alle Teilnehmer Komplimente und aufmunternde Worte parat. Und war trotz seiner Audio-Kunst einer der vielen „stillen Helden“, die eine Veranstaltung dieser Größenordnung unbedingt braucht.

 

Ergebnisse

Marathon Männer 1. Markus Kristan Siegler (Turnerbund Erlangen) 02:41:30 Stunden; 2. Michael Kreißl (TV Pappenheim) 03:06:45, Frank Steinbrenner (ohne Verein) 03:14:07; 4. Axel Berndt (LG Erlangen) 03:15:49; 5. Volker Dittmar (TV Fürth 1860) 03:19:46; 6. Teemu Rantala (ohne Verein) 03:21:20; 7. Jörg Bennecke (LG Kaufungen) 03:27:56; 8. Torsten Würtz (LG Kaufungen) 03:27:58; 9. Matthias Schmitt (LG Würzburg) 03:30:18; 10. Ulrich Schmalz (CharitymeetsUltraTBB) 03:31:12.

Marathon Frauen 1. Christine Fischer (LG exa Leipzig) 03:29:44; 2. Dorothea Frey (ohne Verein) 03:42:38; 3. Alina Bruckelt (Das Erlebnislauf-Team) 03:50:10; 4. Daniela Auer (TG Kitzingen) 04:00:47; 5. Manuela Haberbusch (LT-Herbrechtingen) 04:14:21; 6. Chris Hofmann (Luna – Sandals) 04:21:11; 7. Heidemarie Michaelis Steck (TV Hürben) 04:27:40; 8. Christine Clemens (Hambach Night Runners) 04:29:35; 9. Leonie Maria Koch (ohne Verein) 04:30:21; 10. Sandra Braun (ohne Verein) 04:35:25.

Halbmarathon Männer 1. Tobias Schneider (TG Kitzingen) 01:17:57 ; 2. Markus Veth (TSV Rannungen) 01:20:46; 3. Christian Schulz (ohne Verein) 01:23:33; 4. Ingo Wissmann (TV Lemgo) 01:24:47; 5. Jochen Walter (RV Viktoria Wombach) 01:26:48; 6. Thomas Kaminski (TV/DJK Hammelburg) 01:27:47; 7. Christian Albert (TG Schweinfurt) 01:28:44; 8. Dr. Franz Weilbach (Klinik Bavaria Bad Kissingen) 01:29:28; 9. Michael Amann (LG Lohr) 01:29:59; 10. Arno Albert (TSV Hollstadt) 01:30:47.

Halbmarathon Frauen 1. Anna Roth (TV/DJK Hammelburg) 01:32:35; 2. Tanja Dietrich (TSV Hollstadt) 01:38:44; 3. Gabi Bastian (DJK LC Vorra) 01:46:06; 4. Birgit Heyer (TV 1848 Coburg) 01:49:23; 5. Korinna Lerch (TV/DJK Hammelburg) 01:50:25 ; 6. Sina Brauer (TV Fürth 1860) 01:52:37; 7. Brigitte Bärnreuther (FSV Großenseebach) 01:52:47; 8. Heidrun Hirt (TV/ DJK Hammelburg) 01:52:49; 9. Melanie Klein (TSV Waigolshausen) 01:53:46; 10. Jana Seel (Team Mambo) 01:53:34.

10 km Männer 1. Michael Wetteskind (DJK Schweinfurt) 00:35:15; 2. Jan Eyring (SC Frankenheim) 00:37:20; 3. David Kiesel 00:38:01; 4. Christian Körber (beide TG Schweinfurt) 00:38:32; 5. Dietmar Schultheis (TSV Oberstreu) 00:39:46; 6. Winfried Endres (TV Bad Brückenau) 00:39:46; 7. Timo Kaiser (SV Ramsthal) 00:40:37; 8. Hans Wagner (TV Bad Brückenau) 00:42:01; 9. Florian Lochhaas (ohne Verein) 00:42:43; 10. Heiko Geiß (TSV Oberstreu) 00:43:21.

10 km Frauen 1. Verena Ibel (RV Viktoria Wombach) 00:43:00; 2. Carola Ziegler (VfR Burggrumbach) 00:46:37 ; 3. Vanessa Kirchner (TV Bad Brückenau) 00:50:43; 4. Ramona Schneider (TSV Münnerstadt) 00:50:57; 5. Monika Höchemer (TSV Arnshausen) 00:51:27; 6. Bettina Sapper (Sparkasse Bad Kissingen) 00:52:24; 7. Carmen Haberland 00:52:40 ; 8. Margarete Keller (beide TV/DJK Hammelburg) 00:52:43; 9. Nina Fenßline (ohne Verein) 00:52:58; 10. Dany Neuerer (TG Kitzingen) 00:53:06.

Alle Ergebnisse im Netz unter: http://www.saaletal-marathon.de

Quelle: http://www.infranken.de

April 7, 2016

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